Deutsche Meister Radsportteam BORA - hansgrohe Wie sich das Team BORA - hansgrohe zu einem der stärksten Teams der UCI WorldTour entwickelt hat

Deutsche Meister

In den vergangenen zwei Jahren hat sich das Team BORA – hansgrohe zu einem der stärksten Teams der UCI WorldTour entwickelt. Auch 2017 geht der Aufstieg weiter: Mit fast 30 Siegen ist die Saison schon jetzt die erfolgreichste der Team-Geschichte.

Es war in Utrecht, Anfang Juli 2015. Fast ein wenig schüchtern standen die Profis des Teams BORA – ARGON 18 bei der Team-Präsentation vor dem Start der Tour de France, sichtlich beeindruckt von der großen Kulisse. Mit einer Wildcard, also einer Einladung des Tour-Veranstalters, ging der Rennstall aus Oberbayern damals an den Start, schlug sich achtbar, konnte aber noch keine größere Rolle spielen.

Diese Zeiten sind vorbei. Das Team BORA – hansgrohe ist in der laufenden Saison mit breiter Brust in der UCI WorldTour unterwegs, erste Liga sozusagen. Das liegt nicht nur am zweifachen Weltmeister Peter Sagan, der das Team massiv verstärkt hat. Teamchef Ralph Denk hat insgesamt eine schlagkräftige Mannschaft aufgestellt. „Man kann das Team nicht mehr mit der Mannschaft von vor zwei Jahren vergleichen“, sagt etwa Emanuel Buchmann. Alles sei größer, professioneller, schneller geworden. Das gilt auch für Buchmann selbst. Der 24-jährige Ravensburger zeigte schon Anfang Juni mit seinem siebten Platz beim Critérium du Dauphiné, warum er als größte deutsche Rundfahrt-Hoffnung seit Jahren gehandelt wird. Dort holte er nicht nur das Trikot des besten Jungprofis, in den Bergen ließ er sich auch von den Top-Favoriten nicht abschütteln und kam mit den Allerbesten ins Ziel. „Wenn wir ein Team in der WorldTour machen, dann wird das ein gutes Team sein“, hatte Teamchef Ralph Denk immer versprochen.

Und so ist das Team BORA – hansgrohe des Jahres 2017 eine starke Mischung aus Allroundern, Sprintern und Bergspezialisten. Schon im Februar holte Superstar Peter Sagan beim Klassiker Kuurne-Brüssel-Kuurne den ersten Sieg der Saison. Beim legendären Tirreno-Adriatico im März legte der Slowake nach und gewann gleich zwei Etappen. Bereits eine Woche vorher hatte sich der Ire Sam Bennett bei Paris-Nizza im Sprint die dritte Etappe gesichert. Der Giro d’Italia begann dann mit einer kleinen Sensation: Lukas Pöstlberger holte in Olbia den Sieg auf der ersten Etappe und damit auch das Rosa Trikot. Zwei Kilometer vor dem Ziel konnte der 25-jährige Österreicher eine Lücke reißen und den Sprintern einen Strich durch die Rechnung machen. Auf der Kalifornien-Rundfahrt im Mai trat zum ersten Mal Bergspezialist Rafal Majka ins Rampenlicht. Der polnische Meister holte auf der schweren zweiten Etappe von Modesto nach San Jose seinen ersten Etappensieg im Trikot von BORA – hansgrohe. Einen Tag später siegte dann wieder der Weltmeister: Im Sprint verwies Peter Sagan in Morro Bay die Konkurrenz auf die Plätze. Schon zu diesem Zeitpunkt der Saison war das Fazit erlaubt: Vieles richtig gemacht, läuft! Diesen Eindruck bestätigte im Juni auch der 23-jährige Gregor Mühlberger, der bei „Rund um Köln“ kurz vor Schluss attackierte und seinen ersten Profisieg einfuhr. Der Juni war ohnehin ein guter Monat für BORA – hansgrohe: Das Team erreichte fünf Tagessiege bei der Tour de Suisse und der Slowenien-Rundfahrt, bei der Rafal Majka am Ende auch die Gesamtwertung gewann. Kurz vor dem Start der Tour de France holte Marcus Burghardt das nächste Meister-Trikot für das Team. Bei der Deutschen Meisterschaft am 25. Juni in Chemnitz gewann der Sachse nach einem sehr abwechslungsreichen Rennen vor seinem Teamkollegen Emanuel Buchmann. In Österreich und in der Slowakei wurden zu den nationalen Meisterschaften ebenfalls Erfolge eingefahren, Gregor Mühlberger und zum wiederholten Male Peters älterer Bruder Juraj Sagan werden auch in der kommenden Saison im Trikot des Nationalen Meisters unterwegs sein.

Die 104. Tour de France begann vielversprechend für die Equipe aus Oberbayern. Peter Sagan holte sich den Tagessieg auf dem dritten Teilstück, auch der Rest des Teams machte eine gute Figur. Doch nach dem erfolgreichen Start schien es, als sei der Lauf des Teams gestoppt. Sport-Direktor Enrico Poitschke fasste es nach der Verletzung von Rafal Majka auf der elften Etappe so zusammen: „Wir haben zwar mit Peter eine Etappe gewonnen, doch vom Glück sind wir sicherlich nicht verfolgt. Aber wir kämpfen weiter.“ Beeindruckenden Kampfgeist zeigte dann auch gleich Maciej Bodnar, als er bei der elften Etappe von Kilometer 0 weg in die Fluchtgruppe ging. Sein beeindruckender Soloritt wurde erst 250 Meter vorm Ziel von den Topsprintern beendet. Neben der roten Rückennummer für den kämpferischsten Fahrer brachte es ihm den Respekt im Peloton, den Dank der Teamkollegen und die Begeisterung unzähliger Fans ein. Zumindest das Ende der großen Schleife jedoch war für das Team ein Lichtblick. Maciej Bodnar triumphierte beim harten Zeitfahren in Marseille und holte den zweiten Etappensieg für BORA – hansgrohe. Der späte Triumph sollte Kraft geben für die kommenden Rennen. Denn bereits eine Woche nach der großen Ankunft auf den Champs-Élysées ging es für das Team zur Polen-Rundfahrt und damit zum Heimspiel für Rafal Majka. Wobei der polnische Meister wenig Zeit für seine Heimat hatte, musste er doch die Beine frisch machen für die Spanien-Rundfahrt. Bei der Vuelta, die am 19. August startete, ging es für BORA – hansgrohe auch darum, eine erfolgreiche Saison zu krönen, sich zu zeigen und schon mit Blick auf die kommende Saison ein Zeichen zu setzen, voll anzugreifen. Mission erfüllt, möchte man sagen.

Infos

Datum: 2017
Veranstaltungsort: Cycling
Teilnehmer: Text: Ole Zimmer. Fotos: Hansi Heckmair, Brian Hodes, Ralph Scherzer, Mario Stiehl